Das Freibad in Entringen wurde am 19. Juli 1936 eröffnet und konnte somit 2006 den 70. Geburtstag feiern. Aus diesem Anlass gabe es im Sommer 2006 eine Ausstellung zur Geschichte unseres Freibades. Auszüge aus dieser Ausstellung möchten wir Ihnen hier auf dieser Seite vorstellen:
Freibadplanung und Freibadbau 1936
- In früheren Jahren trug man sich mit dem Gedanken, ein Freibad beim Bach zu erstellen. Nach eingehender Prüfung entschloss man sich aber, ein Bad unterhalb des Wasserbehälters auf gemeindeeigenem Platz zu erstellen und es mit Überwasser zu speisen.
Die Erstaushubarbeiten wurden in der Weise durchgeführt, dass von jeder in Entringen wohnenden Familie sich eine männliche Person einen Tag unentgeltlich zur Verfügung stellen musste, so dass nur Kosten für Materialien und fachmännische Arbeiten entstanden.
Die Leitung der gesamten Bau- und Planungsarbeiten lagen in den Händen des Architekten Reichart aus Herrenberg.
Die Maurer- und Betonarbeiten wurden von Maurermeister Kamer und die Zimmermannarbeiten von der Firma Gebrüder Luginsland ausgeführt.
- Am 19. Juli 1936 wurde das Freibad in Entringen als eines der ersten im Kreis Tübingen eröffnet. Das Bad bestand aus einem einzigen Wasserbecken in den Maßen 12,60 m x 30 m.
Der Bereich für die Nichtschwimmer war vom Schwimmerbereich durch ein einfaches Drahtseil abgegrenzt.
Heizung und Filteranlage gehörten damals noch nicht zum Standard eines Freibades. Die Umkleidekabinen sowie der Kassenbereich wurden in einfacher Holzausführung erstellt.
- Als Bauherr fungierte nicht die Gemeinde Entringen, sondern ein Badeverein, der aus den Mitgliedern des damaligen Gemeinderats bestand und von Bürgermeister Krohmer geleitet wurde.
Der Grund für die Gründung eines Badevereins war offensichtlich die mangelnde Finanzkraft der Gemeinde, da dieser für den Bau des Freibads eine Schuldaufnahme von der Aufsichtsbehörde versagt wurde.
Die Schuldentilgung gegenüber dem Badeverein übernahm jedoch die Gemeinde mit 1.000 Mark jährlich.
- Wie richtungsweisend die damalige Entscheidung des Gemeinderats bzw. des Badevereins war, kommt durch die allgemeine Beliebtheit des Bades in der näheren und weiteren Umgebung zum Ausdruck. In den Jahren ab 1936 haben die Entringer und zahlreiche Schüler und Jugendliche der umliegenden Dörfer im Entringer Freibad das Schwimmen gelernt.
1937: Das neu erbaute Freibad
Freibad-Einweihung am 19. Juli 1936
- Um zwei Uhr bewegte sich ein stattlicher Festzug vom Entringer Marktplatz zum Bad.
- Als am Einweihungssonntag die Festreden beendet waren und die Anwesenden auf den Auftakt im Wasser warteten, warf ein hiesiger Bürger seinen nicht besonders schönen Hund ins Schwimmbecken, was bei den Umstehenden und den Badenwollenden großes Missfallen erregte. Einige konnten sich auf ein Schmunzeln über die Einfältigkeit dieses Mannes nicht verwehren. Fürwahr ein dicker Hund!
- Der Schwimmverein Tübingen zeigte eine Kraulstaffel, hierauf erfolgten Damenbrustschwimmen, Knabenbrustschwimmen, Rettungsvorführungen, Figurenlegen, Streckentauchen, Lagestaffel und zum Schluss noch ein Wasserballspiel
- Staunen und Bewunderung zeigte sich auch, als sich der damalige Farrenwärter, Hans Vöhringer, kopfüber ins Wasser stürzte und wie ein Fisch im Aquarium seine Runden drehte. Zur damaligen Zeit, besonders für die Älteren aus Entringen, eine Sensation.
- Zur Einweihung spielte die so genannte Entringer "Standortkapelle", die aus dem Posaunenchor der evang. Kirche hervorgegangen war. Auch nach der Eröffnung spielte diese Kapelle hin und wieder im Freibad.
Auszug aus der Badeordnung von 1936
§ 3 Badekleidung
Das öffentliche Baden ist nur in einer Badekleidung gestattet, die das sittliche Empfinden der Allgemeinheit nicht verletzt.
Die Badehosen der Männer müssen mit angeschnittenen Beinen versehen sein.
§ 4 Verhalten der Badenden
Im und am Wasser haben die Badenden jedes Verhalten zu unterlassen, das in sittlicher Beziehung Ärgernis zu geben oder die allgemeine Ordnung zu stören geeignet ist.
Verboten ist insbesondere, sich in der Badekleidung außerhalb der Badeplätze aufzuhalten oder öffentliche Gaststätten aufzusuchen, es sei denn, dass die letzteren nur vom Badestrand oder den Badeeinrichtungen aus zugänglich sind.
Den Anordnungen der von der Ortspolizeibehörde aufgestellten Badeaufsicht ist unbedingt Folge zu leisten.
§ 5 Sonstige Ordnungsvorschriften
Für die Benützung der Badeplätze wird ferner bestimmt:
1. Der Ausschank und der Genuss alkoholischer Getränke ist verboten.
2. Das Mitbringen von Hunden ist unzulässig.
3. Floßfahren etc. ist verboten.
4. Musik jeglicher Art ist nicht gestattet, es sei denn, dass die Ortspolizeibehörde bei besonderen Anlässen zur Musik Erlaubnis erteilt.
Badepreise im Jahr 1937

Einmalige Besichtigung des Freibads:
Erwachsene 0,20 RM
Kinder 0,10 RM
Leihgebühr für Wäsche und Badekleidung: 0,10 RM
Pfandgebühr 1,00 RM
Leihgebühr für Schwimmgürtel:
kleinere Kinder 0,05 RM
Erwachsene 0,20 RM
Schüler 0,10 RM
Entringen, den 20. Mai 1937 Bürgermeister Krohmer
Bademeister und Badegäste
Als erster Bademeister wurde Karl Kaiser verpflichtet. Ihm folgten Hermann Ziegler, Ernst Töpfer, Paul Heinrich, Werner Schrägle und, seit dem Umbau 1977, Herbert Hafner.
Die früheren Bademeister - vor 1977 - erhielten keinen festen monatlichen Lohn sondern waren an den Eintrittsgeldern beteiligt. Außerdem hatten sie die Berechtigung, einen Verkaufsladen im Freibad zu betreiben. Manches Kind kaufte in diesem Verkaufsladen seine erste "Sinalco".
Bis zum Umbau des Freibades im Jahr 1976/77 waren es 3.000 bis 5.000 Badebesucher im Jahr.
Nach dem Umbau erwartete die Verwaltung ca. 30.000 Badegäste je Saison. Diese damals optimistische Annahme wurde in der Vergangenheit immer überschritten.
Das langjährige Besucher-Rekordergebnis von 1983 mit über 70.553 Badegästen wurde schließlich im Jahr 1991 mit 71.398 Badegästen übertroffen.
Statistik: Besucherzahlen im Freibad seit 1977 (.pdf-Datei)
1949: Freibad in Entringen wieder geöffnet
Ausschnitt aus der Tageszeitung "Tübinger Chronik" vom 11. Juli 1949:
Freibad in Entringen wieder geöffnet
Entringen. Das herrliche Freibad in Entringen am Schönbuchrand, etwa 10 Minuten von Hohenentringen entfernt, hat seine Pforten wieder geöffnet und lädt alt und jung zur Erholung ein.
Neben dem Schwimmbecken mit seinem frischen Quellwasser bieten die Anlagen Gelegenheit zu Luft- und Sonnenbädern und zu kleineren Spielen.
Für das leibliche Wohl stehen Erfrischungen aller Art bereit.
Das Freibad wird daher sicher auch in diesem Sommer wieder viele Wander- und Badelustige anziehen.
(Das Freibad war während der Kriegs- und Nachkriegsjahre geschlossen.)
Vom Umbau 1976/77 bis zum heutigen Freibad
- Schon Ende der sechziger Jahre zeigte sich immer deutlicher, dass das vorhandene Freibad den veränderten Ansprüchen nicht mehr gerecht werden konnte.
- Das Bad wurde schließlich 1976/77 grundlegend umgebaut:
Parkplätze wurden geschaffen, drei separate Becken für Schwimmer (16 x 25 m), Nichtschwimmer (12 x 12 m) und ein Planschbereich für Kleinkinder (6 x 6 m) geschaffen.
Der Eingangsbereich wurde von Norden nach Süden verlegt. Der Kassenbereich, Umkleidekabinen mit Schließfächern, Sanitärräume und der Freibadkiosk mit Außenbereich entstanden.
Am 21. Mai 1977 wurde das neue Bad in seiner jetzigen Form und mit moderner Badewasseraufbereitungstechnik und Heizung in Betrieb genommen.
Das freute nicht zuletzt die Kinder aus Entringen und Umgebung, die das Freibad während des Umbaus im Jahr 1976 schmerzlich vermisst hatten und die Tage bis zur Eröffnung gezählt hatten.
- Viele der heutigen Freibadbesucher schätzen vor allem die familiäre Atmosphäre des Freibades und die idyllische Lage am Schönbuchrand.
Auf der riesengroßen Liegewiese lässt es sich im Schatten von Obstbäumen wunderbar faulenzen.
Für aktive Besucher stehen ein Fußballkleinfeld, ein Volleyball-Spielfeld, Basketballkörbe und Tischtennisplatten zur Verfügung, die Kinder toben auf dem kleinen Spielplatz, für das leibliche Wohl sorgt der Freibadkiosk mit seinem reichhaltigen Angebot.
1977: Im Freibad Entringen kann wieder gebadet werden
Das umgebaute Freibad in Entringen ist seit Samstag, dem 21. Mai 1977, wieder in Betrieb. An diesem Tag übergab Bürgermeister Dieter das umgebaute Freibad seiner Bestimmung. Zur Einweihung war eine große Zahl interessierter Bürger und Einwohner Ammerbuchs erschienen. Als Vertreter des Herrn Landrats Dr. Gfrörer konnte Bürgermeister Dieter Herrn Reg.-Direktor Frohnmeyer begrüßen; außerdem waren einige Behördenvertreter zur Einweihung gekommen.
In seiner Ansprache würdigte Bürgermeister Dieter insbesondere die große Eigeninitiative der Entringer, die es ermöglichte, den Umbau des Bades in dieser Weise zu realisieren. Sein besonderer Dank galt allen, die in Form von Eigenleistungen oder Spenden dazu beigetragen haben, das Projekt durchführen zu können. Bürgermeister Dieter nannte als Triebfeder der Eigenleistungen Bürgermeister i. R. Herrn Friedrich Fleck und Herrn Ortsvorsteher Wörner, die für ihre Mühen mit einem Olympia-Bildband entschädigt wurden. Ortsvorsteher Wörner gab einen geschichtlichen Rückblick über das Freibad in Entringen, das 1936 gebaut, das erste Bad im Kreis Tübingen war. Nach einem kurzen Baubericht des Herrn Architekten Strasser sprach Herr Reg.-Direktor Frohnmeyer die Glückwünsche des Landkreises für das wohlgelungene Werk aus.
Im Anschluss an die offizielle Einweihungsfeier konnten Mitglieder des Gemeinderates, des Ortschaftsrates Entringen und der Entringer Vereine ihre Kräfte im sportlichen Wettkampf messen. Nach drei Durchgängen (Staffel, Weitspringen vom 1-m-Brett und Geschicklichkeitsfahren in Pkw-Schläuchen) war das Ergebnis ausgeglichen, so dass der Sieger durch Streckentauchen ermittelt werden musste. Es folgte noch ein Staffel-Wettbewerb der Klassen 7, 8 und 9 der Hauptschule Entringen. Weiterhin bestand die Möglichkeit, ein kurzes Schachturnier mitzuerleben.
Trotz der verhältnismäßig kühlen Witterung wurde die Gelegenheit von vielen Badelustigen wahrgenommen, sich in die angenehm erwärmten Fluten (23 Grad) zu stürzen.
(Bericht aus dem "Gemeindeboten" vom 27.05.1977)
Wasser Marsch!
Was schätzen Sie, in wie vielen Litern Wasser kann man im großen Becken des Entringer Freibades schwimmen?
1.100.000 Liter Wasser fasst das große Becken!
Ausgesprochen: eine Million und einhunderttausend Liter Wasser.
Spaßeshalber umgerechnet sind das 2.857 Kinderplanschbecken mit 1,40 m Durchmesser und 25 cm Füllhöhe, die man damit füllen könnte.
Wenn Bademeister Herbert Hafner das leere Becken vor Beginn der Saison füllt, strömt 48 Stunden lang ununterbrochen Wasser aus einem großen Schlauch ins Becken.
Also erst nach zwei Tagen ist das Becken dann voll.
Besucherzahlen seit 1977
Seit dem Umbau im Jahr 1977 werden im Freibad die Besucherzahl-Statistiken geführt.
Hier eine pdf.-Datei mit der Grafik der Zahlen ab dem Jahr 1977:
Besucherzahlen